|
Es ist ein besonderer Moment: Ich stehe vor dem Spiegel, streife die Maske über und schnüre sie langsam zu. Allein die Vorstellung erregt mich und ich überlege, was die besondere Magie dieses Momentes ist.
Es ist nämlich nicht nur und auch nicht in erster Linie der "Gummireiz", der den Augenblick der Maskierung so speziell macht. Ein wesentlicher Aspekt ist der Transfer der Persönlichkeit auf eine andere Ebene. Wenn wir davon ausgehen, das sich unsere Persönlichkeit für die Umwelt in unserem Gesicht spiegelt, in unserer Mimik und Gestik, stellt sich das Gesicht für die eigene Persönlichkeit als Oberfläche dar. Ich schaue durch mein Gesicht hindurch, lasse es durch meine Mimik mit der Umwelt interagieren. Wenn ich mich darauf konzentriere, so spüre ich, wie sich mein Ego auf der Oberfläche meines Antlitzes kristallisiert. Mache ich mir diese Oberfläche bewusst, so spüre ich eine gewisse, physisch erlebbare Spannung, etwas fast maskenhaftes. Dieses Maskenhafte des eigenen Gesichtes wird besonders deutlich, wenn ich z.B. trotz schlechter Laune gut gelaunt erscheinen muss, also Innenleben und Oberfläche voneinander differieren.
Wenn ich die Maske trage, dann wird diese Oberfläche eine Ebene weiter nach außen gedrängt. Die Oberfläche meines Gesichtes verliert sich. Die Maske legt sich über das Gesicht, die Schnürung übt von außen einen Druck gegen die innere Spannung des Gesichtes. Diese innere Spannung löst sich nun im Gleichgewicht dieser physischen Kräfte auf und der Persönlichkeitstransfer auf eine andere Ebene, nämlich die Ebene der Maske, ist damit getan. Es ist also ein Moment der tiefsten Entspannung für das eigene Ego.
Das besondere der Frauenmaske (im Gegensatz zu den etlichen anderen Masken, die ich auch besitze und gelegentlich schätze) ist, dass die Maske gleichzeitig das darstellt, was sie verhüllt. Der Mensch ist darauf trainiert Gesichter zu erkennen. Punkt, Punkt, Komma, Strich - es reichen Andeutungen um ein Gesicht zu erkennen und doch ist die Wahrnehmung des eigenen Gesichtes eine Fähigkeit die nur der Mensch besitzt. Ein Blick in den Spiegel ist immer auch ein Blick auf die eigene Persönlichkeit, bzw. die Oberfläche unserer Persönlichkeit. Wiederhole ich diesen Blick mit der Maske, so spiegelt sich eine andere, verfremdete Oberfläche wider. Es ist ein krasser Bruch des inneren Empfindens und des Spiegelbildes. Diese ambivalente Situation hat transzendente Momente. Ich betrachte das Spiegelbild der Maske, nicht mein Gesicht, nicht die Lach- und Sorgenfalten und deren Ursachen, die sich in meine Gesichtsoberfläche und in meine Persönlichkeit geprägt haben. Ich gewinne dadurch eine unerreichbare Distanz zu mir und trotzdem lässt der Druck der Maske mir meine eigene Oberfläche und Persönlichkeit stets präsent erscheinen. Es ist eine Art innere Klausur. Ich bin mit der Maske innerlich präsent und mir äußerlich fremd, diese Widersprüchlichkeit wird mir vor dem Spiegel klar und sie ist faszinierend. Deswegen kann ich mich fast meditativ stundenlang mit der Maske im Spiegel betrachten.
Es ist ein faszinierendes Thema, das Betrachten der Oberfläche als Schnittpunkt zwischen Innen und Außen und es stellt mit all seinen Brüchen und Ambivalenzen ein Thema dar, dass sich alles andere als oberflächlich betrachten lässt. Betrachtet Doch auch mal Eure Oberfläche.
Liebe Grüße! Euer
Gummipüppchen
P.S. Wer das Thema vertiefen möchte, dem sei das dieses Buch empfohlen: Reinhard Olschanski, Maske und Person
P.P.S. Und ja, es macht auch geil ;-) |